Man nehme eine 12-jährige ohne Näherfahrung, Omas alte Bernina und die Vorweihnachtszeit. Was daraus entstanden ist? Eine höchst chaotische erste Eigenkreation aus Mamas alten Bettlaken zum Heiligen Abend.
Die Feiertage verbringt jede Familie auf ihre eigene Art und Weise. Eigene Traditionen, eigene Bräuche. Ich bin in einer Familie aufgewachsen, in der das Weihnachtsfest ein großes, wenn nicht sogar das größte Ereignis des Jahres war (und ist). Durch die große Liebe zum Kochen, tischte mein Papa uns Jahr für Jahr ein Menü auf, das zum Dahinschmelzen war. Das Haus wurde gemütlich dekoriert und mit weihnachtlicher Klassikmusik erfüllt. Und so haben sich dem Anlass entsprechend alle Familienmitglieder zum Abend hin auch festlich chic eingekleidet.
Und so kam es eines Nachts, dass mein 11- oder 12-jähriges Ich, sich den Vorsatz nahm am 24.12. in eigens gefertigter Garderobe zur Feierlichkeit zu erscheinen. Die kaum bis nicht vorhandene Näherfahrung sollte mich nicht stoppen, der kleine kreative Geist nahm das Steuer in die Hand und legte einfach los.
Es wurde alles Mögliche zusammengesammelt. Alte Gardinen, Stoffreste, Pullis, Kleider und so weiter und so fort. Am Ende fiel dann ein Gold-schimmerndes Bettlaken mit Löchern der Küchenschere zum Opfer. Ein paar alte Spitzenläppchen sollten als besonderes Detail dienen.
Jene wurden also kontrastreich mit schwarzem (ja richtig gelesen, schwarzem!!!) Bügelvlies verstärkt und, wenn auch nicht ganz so kunstvoll, als Rückteil verwendet.
Das schlauchartige Modell ohne jeglichen Sinn für Schnitt und Konstruktion wurde dann letztendlich mit einem alten Zierband in Neckholderform an Ort und Stelle gehalten.

Und so entstand es. Ein erstes eigenes, naja nennen wir es Kleidchen, das mit Stolz und Freude am 24.12. seinen großen Auftritt hatte. An Reaktionen und Kommentare mag sich mein Gedächtnis nicht erinnern. Doch dieses erste Erfolgsgefühl, das ich mit diesem Modell in Verbindung bringe, zaubert mir auch heute noch ein Lächeln auf die Lippen und erfüllt mein Herz mit Liebe.

In den krummen und falsch gesetzten Nähten findet sich der kindliche Schaffensdurst wieder und der Spitzeneinsatz stellte die Grundidee, die sich bis heute in meinem Designstil wiederfindet. Klassische Silhouetten mit dem besonderen Etwas verziert. Von all meinen Weihnachts-eigen Kreationen ist dieses erste Teil eines der wenigen, dass ich noch in seiner Grundform besitze.
Auch wenn ich es nie wieder getragen habe, hat es seinen festen Platz in meinem Kleiderschrank und dient mir immer als eine wundervolle Erinnerung. Diese kleine Tradition des selbst kreierten Festoutfits, konnte bis heute mehr oder weniger fortgeführt werden. Auch wenn hier und da bestimmt mal ein Jahr ausgesetzt wurde, ist die Idee noch immer präsent und wird auch dieses Jahr weitergehen. Glücklicherweise kann sich mein inneres Kind nun mehr auf den erwachsenen Menschen stützen, was die Umsetzung und dadurch auch Qualität angeht. Aber bei der Idee und Entwicklung eines Modells ist es doch noch immer mit dabei.
Dadurch, dass in meiner späten Kindheit und frühen Jugend die Smartphones noch nicht entwickelt waren, gibt es leider kaum oder keine Aufzeichnungen meiner frühen Anfänge. Aber kann ich euch hier ein paar meiner Weihnachtsoutfits der letzten Jahre präsentieren.

Rotes Mantelkleidchen ~2020
Champagnerfarbener Bubbleskirt ~2023


Rotes Abendkleid ~2021
Schottenkaro Rock ~2019

Dieser Mini-Beitrag ist somit eine kleine Reise in meine Vergangenheit. Eine Vergangenheit, an die ich mich sehr gerne erinnere. Und wie schon im Beitrag versprochen, könnt ihr euch auch dieses Jahr wieder auf ein neues Design zum Fest freuen.
Ich freue mich schon auf den nächsten Beitrag (06.12.2024!!) und wünsche euch einen wundervollen Tag, Abend oder Morgen.
Bis bald, eure Pia
